Hüftoperation beim Hund
- gnaedingersara
- 4. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Elli ist eine aufgestellte, verspielte und gut trainierte 7.5 Jahre alte Bordercollie-Hündin.

Die Besitzerin war oft mit ihr auf Wanderungen und sonstigen Touren. Elli ist es gewohnt viel zu laufen und draussen zu sein.

Dann kam die Diagnose mit der Hüftgelenksdysplasie (HD). Schmerzen und weniger lange Spaziergänge waren die Folge, bis schliesslich die Operation der ersten Seite bevorstand.
Sie musste in der Früh nüchtern vor Ort sein und blieb bis zum nächsten Tag dort zur Überwachung.

Nach der OP galt die erste Woche totale Bettruhe und nur kurz raus um sich zu versäubern (5 Minuten). Wobei Elli die Treppen getragen und beim Gehen mit einem Tuch unterstützt werden musste. Die Bettruhe wurde mit einem 'Käfig' sichergestellt. Zudem musste alle 2-3 Tage das Pflaster der Naht erneuert werden, welches sehr stark an der Haut klebt. Dies kann zu Hautreizungen führen. Die Medikamente machten Elli müde und sie schlief viel.

Die Bettruhe und die 'Spaziergänge' werden von Woche zu Woche ausgeweitet. Das Bein resp. die Hüfte soll aber von Tag 1 wieder belastet werden, zumindest so gut es geht und nicht voll.
Wenn die Hüfte gut verheilt ist, dann wird Elli die zweite Seite auch noch machen müssen.
Schilderung des Verlaufs von Ellis Hüfte von der Besitzerin:
"Elli hat bis letztes Jahr im September keine Symptome einer HD oder anderen Problemen am Bewegungsapparat gezeigt. Sie hat gerne Tricks trainiert, ist auf langen Touren gerne mit unterwegs gewesen und hat 2 Jahre Bike-Jöring (Zugsport am Fahrrad) gemacht. Alles in einem normalen Rahmen. Im September 2025 hat sie angefangen zu hinken. Eine X-Beinstellung der Hinterläufe ist aufgefallen. Sie wollte nicht mehr mitgehen, forderte viele Pausen ein. Der Tierarzt untersuchte sie und empfahl Physiotherapie. Die Massagen waren wohltuend für sie und es wurde deutlich besser. Über den Winter blieb sie stabil, aber als im Frühjahr die Strecken wieder länger wurden, fing sie wieder an zu hinken. Ein Röntgenbild zeigte das Ausmass der Hüftarthrose. Da sie zu jung war für eine einfache Kappung des Oberschenkelkopfes beidseitig (danach bildet sich ein Scheingelenk, nur für alte Hunde geeignet) entschied ich mich trotz der immensen Kosten für die Implantation einer Hüftendoprothese. Das ist nach Ausheilung (ca. 5 Monate) belastungs- und sportstabil.

In Ellis Fall musste leider noch eine zusätzliche Platte an den Oberschenkelknochen implantiert werden, da sie durch die lange Zeit der Hüftgelenksdysplasie sehr dünne Knochen entwickelt hat. Damit ist aber die Gefahr einer Fraktur im Oberschenkel minimiert. Momentan wird die Gehstrecke immer länger, leider bleibt das Pflaster wegen des nachwachsenden Fells nicht mehr kleben und sie hat angefangen die total super verheilte Narbe (noch mit Fäden) abzuschlecken. Hier ein Lob an den Operateur: noch nie habe ich so eine tolle Op-Naht gesehen. Und ich habe nach 34 Jahren als Physiotherapeutin schon viel gesehen. Da kann sich jeder Human-Mediziner eine Scheibe abschneiden! Elli bekommt ab der 3. Woche postoperativ wieder Physiotherapie für den Muskelaufbau und die gleichmäßige Belastung der Hinterläufe. Wobei das Bein beim Gehen voll belastet werden darf (ausser Sprünge oder Spielen). Jedes Bein übernimmt eigentlich nur 25% im Stand. Und es gibt verschiedene Totalendoprothesen (TEP). Elli hat eine unzementierte TEP, gekoppelt, sie kann wohl nicht luxieren. Nach 10 Tagen wurden die Fäden gezogen und in frühestens zwei Monaten (Ende Juni 26) kommt dann die zweite Hüfte an die Reihe. Insgesamt kann man mit 7-9 Monaten bei 2 neuen Hüftgelenken einplanen (mit Rehabilitation)." ~ Christine

Ich betreue Elli meist montags, da die Besitzerin dann Seminare leitet und sie nicht mitnehmen kann. Die Betreuung hat sich jetzt nach der Hüftoperation natürlich verändert und wird angepasst auf Ellis Bedürfnisse und ihren Genesungsplan.
Ein kurzer Überblick über Hüftoperationen
Ein künstliches Hüftgelenk ist eine effektive Behandlungsoption bei schweren Hüftgelenkserkrankungen, insbesondere wenn konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichen.
Ziel der Behandlung ist eine nachhaltige Schmerzreduktion sowie die Wiederherstellung der Beweglichkeit und Lebensqualität des Tieres.
Künstliches Hüftgelenk bei Hund und Katze - wann ist es sinnvoll?
Hüftgelenkserkrankungen zählen zu den häufigsten orthopädischen Problemen bei Hunden und kommen auch bei Katzen vor. Sie führen oft zu chronischen Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit. In fortgeschrittenen Fällen kann ein künstliches Hüftgelenk eine effektive Behandlungsmöglichkeit darstellen.
Ursachen für Hüftprobleme
Die häufigste Ursache ist die Hüftgelenksdysplasie (HD). Dabei handelt es sich um eine meist vererbte Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Der Oberschenkelkopf sitzt nicht stabil in der Gelenkpfanne, was zu einer erhöhten Beweglichkeit führt.
Langfristig entsteht durch diese Fehlbelastung eine Arthrose (Coxarthrose), die mit Schmerzen und Funktionsverlust einhergeht.
Weitere Ursachen können sein:
Durchblutungsstörungen wie die Legg-Calvé-Perthes-Krankheit (Absterben des Oberschenkelkopfs)
Wachstumsstörungen
Traumatische Verletzungen (z. B. nach Unfällen)
Oberschenkelhalsprobleme (z. B. bei Maine-Coon-Katze)
Typische Symptome
Die Symptome entwickeln sich häufig schleichend und sind anfangs schwer zu erkennen:
Verminderte Aktivität und Belastbarkeit
Schnelle Ermüdung
Schwierigkeiten beim Aufstehen
Steifer oder schwankender Gang der Hintergliedmaßen
„Einlaufen“ nach Ruhephasen
Vermeidung von Sprüngen oder Treppen
Im späteren Verlauf: Lahmheit und Muskelabbau im Bereich der Hinterbeine
Da oft beide Hüftgelenke betroffen sind, fehlt in frühen Stadien häufig ein deutliches Hinken.
Diagnosestellung
Die Diagnose erfolgt durch eine tierärztliche Untersuchung, bestehend aus:
Anamnese (Beschreibung der Symptome)
Klinischer Untersuchung
Bildgebung (insbesondere Röntgen)
Ziel ist es auch, andere orthopädische oder neurologische Erkrankungen auszuschließen.
Behandlungsmöglichkeiten
In milden Fällen kann eine nicht-operative Behandlung sinnvoll sein
Nicht-operativ:
Gewichtsmanagement
Angepasste Bewegung
Physiotherapie
Entzündungshemmende Medikamente und Nahrungsergänzung
Diese Maßnahmen zielen auf eine Linderung der Symptome ab, beheben jedoch nicht die zugrunde liegende Ursache.
Operativ (2 Hauptoptionen):
Femurkopfresektion
Bei dieser Operation wird der Oberschenkelkopf entfernt, um die schmerzhafte Reibung im Gelenk zu beseitigen.
Die Methode führt häufig zu einer deutlichen Schmerzreduktion, geht jedoch mit einer gewissen Einschränkung der Gelenkfunktion einher. Sie wird vor allem bei kleineren Tieren eingesetzt.
Künstliches Hüftgelenk (Totalendoprothese)
Das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks gilt als Standardverfahren bei fortgeschrittener Arthrose.
Dabei wird das erkrankte Gelenk vollständig durch eine Prothese ersetzt.
Vorteile:
Hohe Wahrscheinlichkeit von Schmerzfreiheit
Wiederherstellung der Bewegungsfunktion
Langfristige Lösung
Nachteile:
Operativer Aufwand (komplexe Operation)
Längere Erholungsphase
Kostenintensiv
Frühzeitige Eingriffe (im Wachstum)
Bei jungen Tieren können bestimmte Operationen (z. B. JPS oder Beckenschwenkosteotomie) die Entwicklung des Hüftgelenks positiv beeinflussen.
Nach der Operation
Die Operation dauert in der Regel etwa 1,5 bis 2 Stunden. Nach einem kurzen stationären Aufenthalt folgt eine mehrwöchige Schonphase.
ca. 2 Monate eingeschränkte Aktivität
anschließender schrittweiser Belastungsaufbau
Bei komplikationsfreiem Verlauf ist eine Rückkehr zu normaler Aktivität möglich.
Risiken und Prognose
Mögliche Komplikationen sind selten. Die häufigste ist die Luxation (Ausrenkung) des künstlichen Gelenks, insbesondere in der frühen Heilungsphase.
Bei sachgerechter Nachsorge ist die Prognose insgesamt sehr gut. Viele Tiere erreichen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.
Besonders anfällige Hunderassen für Hüftdysplasie (HD)
Eine umfangreiche Studie der Orthopedic Foundation for Animals hat gezeigt, dass das Risiko für Hüftgelenksdysplasie stark von der Hunderasse abhängt.
Die Auswertung basiert auf Daten von 1974 bis 2010 und umfasst 147 Hunderassen mit jeweils mindestens 100 untersuchten Fällen.
Einige Rassen zeigen ein besonders hohes Risiko – bei ihnen tritt Hüftdysplasie in über 50 % der Fälle auf:
Englische Bulldogge
Mops
Dogue de Bordeaux
Neapolitanischer Mastiff
Bernhardiner
Vor allem große und schwere Hunderassen sind häufig betroffen.
Am anderen Ende der Skala stehen Rassen wie der:
Windhund
Hier sind kaum Fälle von Hüftdysplasie bekannt.
Das Risiko für Hüftprobleme ist stark rasseabhängig. Wer sich für einen Hund entscheidet oder bereits einen hat, sollte sich über mögliche genetische Risiken informieren und frühzeitig auf Anzeichen achten. Dies gilt auch für Katzen.
Wenn Sie einen Verdacht haben, zögern Sie nicht Ihren Tierarzt zu kontaktieren und um Rat zu bitten.




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